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Einführung des ersten Verwaltungsleiters Herrn Trentmann und Abschied von Herrn Seliger, Mitarbeiter des Gemeindeverbandes

Am 19. Januar wurde in St. Bonifatius ...

... der erste Verwaltungsleiter der Pfarrei, Herr Andreas Trentmann, begrüßt und herzlich willkommen geheißen. Dabei musste aber auch Abschied genommen werden. Herr Sven Seliger, Außendienstmitarbeiter des Gemeindeverbandes, hat unsere Gemeinden fünf Jahre lang mit großem Engagement unterstützt und wechselt nun nach Iserlohn.

 

(Das Foto zeigt Herrn Trentmann)


Wie bereits der Einladung zur Begrüßungs- und Abschiedsfeier am 19. Januar zu entnehmen war, ist zum Jahresbeginn eine wichtige Veränderung in unserer Pfarrei eingetreten. Zum ersten Mal wurde ein Verwaltungsleiter eingestellt. Er soll die Organisation, die Finanzplanung und die Personalführung in St. Dionysius verantwortlich betreuen. Mit dieser Aufgabe ist er ein Teil der Leitung der Pfarrei, wird den Kirchenvorstand unterstützen und die Verwaltungstätigkeit des Pfarrers weitgehend übernehmen. Mit Herrn Andreas Trentmann wurde laut Herrn Pfarrer Birwer erfreulicherweise ein „Herner Junge“ gefunden, der als Mitglied unserer Herz-Jesu-Gemeinde mit dem Leben in unserer Gemeinde vertraut ist.

In seiner Predigt deutete Herr Birwer den Lesungstext aus dem 1. Petrusbrief als spirituelle Betrachtung der Arbeit eines Verwaltungsleiters, interessant und beeindruckend abgeleitet vom "Cellerar" des hl. Benedikt und auf die heutige Zeit bezogen. Die ganze Predigt folgt am Ende des Artikels, auch als pdf-Datei zum Herunterladen.

 

 

Bevor Herr Pfarrer Birwer Herrn Trentmann vorstellte, verabschiedete er Herrn Seliger mit herzlichem Dank und einem Geschenk und wünschte ihm für die Zukunft alles Gute.

 
Herr Trentmann erhielt als Willkommensgeschenk ein gutes "Tröpfchen".
 
Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein war es Herrn Trentmanns allererste Aufgabe als Verwalter - auf Wunsch der Gäste -, die Deckel von den Speisebehältern abzunehmen.

Erinnerungsfoto! Von links: der neue Verwaltungsleiter Andreas Trentmann, Pfarrer Georg Birwer und der scheidende Gemeindeverbandsmitarbeiter Sven Seliger

 

Predigt am 19.01.2020 von Pfarrer Birwer.pdf

 

Predigt zur Verabschiedung von Herrn Sven Seliger und

zur Begrüßung von Herrn Andreas Trentmann

am 19. Januar 2020 (2. Sonntag im Jahreskreis) in St. Bonifatius Herne

 

Lesungstext: (1 Petr 4,7b-11)

Seid also besonnen und nüchtern und betet! Vor allem haltet beharrlich fest an der Liebe zueinander; denn die Liebe deckt viele Sünden zu. Seid untereinander gastfreundlich, ohne zu murren! Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! Wer redet, der rede mit den Worten, die Gott ihm gibt; wer dient, der diene aus der Kraft, die Gott verleiht. So wird in allem Gott verherrlicht durch Jesus Christus. Sein ist die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.

 

 

1. 2005 bestieg Josef Ratzinger als Benedikt XVI. den Stuhl Petri, und deutsche Boulevardblätter schrieben stolz: „Wir sind Papst“. In Anlehnung daran können wir an diesem Sonntag voller Freude ausrufen: „Wir sind Verwalter“.

Der Unterschied ist:  2005 wird keiner ernsthaft erwartet haben, dass wir als Deutsche nun real mehr päpstliche Macht und Verantwortung bekommen hätten. Mit dem Verwalter verhält sich das etwas anders.

 

Man kann unsere heutige Lesung aus dem 1. Petrusbrief durchaus als spirituelle Deutung der Arbeit eines Verwaltungsleiters verstehen, eigentlich aber ist sie eine Gemeindedefinition: „Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes …“.

 

„Verwalter der Gnade Gottes“ – das klingt beim ersten Hören eigenartig befremdend. Wollen wir das gerade nicht? Charismenorientiert hört sich das nicht an. In keiner Pastoralvereinbarung, in keinem Zukunftsbild einer Diözese käme ein solcher Satz auch nur in die Anmerkungen. Genau das wird der Kirche ja oft genug vorgeworfen: dass sie den Glauben nur verwaltet, wenn ihre Vertreter zu abgehoben reden und leben, wenn sie zu wenig nah an den konkreten Nöten der Zeit ist. Und manch einer mag argwöhnen, dass mit der Einführung von Verwaltungsleitern genau dieser unsympathische Zug der Kirche verstärkt wird.

 

 

2. Mir ist unser Schriftwort sehr sympathisch, denn da wird etwas auf den Punkt gebracht, was sowohl für reale Verwalter, als auch für Seelsorgerinnen und Seelsorger, für Kirchenvorstände und Gemeinden gilt.

 

Was tut ein Verwalter? Er kümmert sich um ein Vermögen, das ihm selber nicht gehört. Er hütet den Besitz eines anderen! Das klingt selbstverständlich, hat es aber in sich, vor allem, wenn wir mal nicht zunächst an unsere Verwaltungsmitarbeiter denken (ich bin sicher, dass denen das sehr bewusst ist), sondern an unsere Gemeinden und Gruppen. In diesem Zusammenhang möchte ich eine Sorge mit Ihnen teilen.

 

Je kleiner unsere Gemeinden werden, umso größer ist die Gefahr, dass die, die sich engagieren (oft in einer beeindruckenden Verlässlichkeit, mit einem echten Anliegen) gleichwohl in der Gefahr stehen, das Wohl der Gemeinde und ihr Gruppeninteresse zu sehr gleichzusetzen. Was verloren gegangen ist, ist die selbstverständliche In-Frage-Stellung, die sich in alten Zeiten durch konkurrierende Gruppen, durch eine viel größere Pluralität, durch eine nach vorne drängende jüngere Generation ganz von allein ergeben hat. Uns gehören unsere Gemeinden nicht – keinem Pastor, keinem Gremium und keiner Gruppe!

 

 

3. Zurück zu unserer Lesung, dessen Mahnungen so wohltuend konkret und bodennah sind. Die ersten drei möchte ich herausgreifen und uns als Anregung mitgeben: Herrn Seliger und Herrn Trentmann als Wunsch für die neue Zeit, die für sie beginnt, unseren Gemeinden als Anstoß für das vor uns liegende Jahr.

 

a. „Seid besonnen und nüchtern, und betet“. Nun muss unser neuer Verwaltungsleiter sich nicht sorgen, künftig jeden Morgen als Erstes den Sekretärinnen eine Andacht halten zu müssen. Ich sehe in diesem Satz viel mehr einen Zuspruch als eine Anforderung. Es hängt nicht alles an mir und an uns. Wir retten die Kirche und unsere Gemeinde sowieso nicht – aber wir müssen es auch nicht, denn sie sind schon gerettet! Die Kirche steht weder unter der Führung des Papstes und der Kleriker, noch der Verwaltungsbeamten oder einer Laieninitiative, sondern unter der Führung des Hl. Geistes.

 

Das sind mehr als fromme Worte, das ist eine Lebenseinstellung. Bei jedem neuen Tun, jeden Morgen, wenn ich mich an meinen Arbeitsplatz setze, bei jedem Projekt, das wir mit unserer Gruppe beginnen, kann ich mir sagen: Das Entscheidende ist geschehen. ENGAGIERTE GELASSENHEIT ist das Markenzeichen der Christen.

 

Die Anweisung hat allerdings auch eine umgekehrte Richtung. Wir unterscheiden in der Kirche oft so problematisch zwischen dem ‚Eigentlichen‘ und dem ‚Vorfeld‘. Der Verwaltungsleiter kümmert sich um die Geschäfte und der Pastor um das Eigentliche.

 

Spannend dazu zu lesen ist, wie der Hl. Benedikt in seiner Regel die Aufgaben für den sog. „Cellerar“ (also den Mönch, der für die Verwaltung zuständig ist) beschreibt. Benedikt kennt die Trennung zwischen weltlichem und geistlichem Tun gar nicht. Letztlich ist für ihn alles Gottesdienst. So schreibt er, der Cellerar habe „alles Gerät und die ganze Habe des Klosters (versus: der Gemeinde) zu betrachten wie das Allerheiligste“.

Das Allerheiligste ist der Ort der Anbetung, vor dem wir in der Kirche eine Kniebeuge machen. Natürlich sollen wir nicht das Geld und den Besitz anbeten, aber wir sollen respektvoll mit ihm umgehen, für den Heilsauftrag, für das Allerheiligste – für das Leben, die Menschen, für Gott.

 

b. „Haltet fest an der Liebe zueinander, denn die Liebe deckt viele Sünden zu“. Herr Seliger wird sich gut erinnern, wenn ich in sein Büro kam und hatte irgendeinen Fehler gemacht, oder er hatte einen Fehler gemacht und wir mussten überlegen, wie wir ehrlich damit umgehen. Oder es waren Sorgen da mit dem Ärger einer Gruppe, deren Wünschen wir nicht entsprechen konnten …

So ist das: Wir verhalten uns nicht immer richtig; wir haben Schwächen oder es fällt ein böses Wort. Wir können es nicht immer allen rechtmachen, wir übersehen Menschen, wir müssen Mitarbeiter zurechtweisen oder Mittel streichen.

 

Solche Situationen sind die hohe Schule des Umgangs miteinander. Wie ist es eigentlich in St. Dionysius um unsere Fehlerfreundlichkeit bestellt? Darf man bei uns Fehler machen, und darf und kann man Fehler und Fehlverhalten offen ansprechen – ohne schlecht über den anderen zu reden? Oder geht das alles nur hinter vorgehaltener Hand? Kann ich es ertragen, wenn meine Wünsche oder die unserer Gruppe nicht erfüllt werden?

 

„Die Liebe deckt viele Sünden zu“, sagt der Petrusbrief. Das ist ein großes Wort. Aber es bedeutet doch, in kleiner Alltagsmünze, nichts anderes als: Ein Mensch hat in der Regel viele Fehler und Schwächen, und gerade deshalb ist entscheidend, wie unsere Grundeinstellung und Beziehung zu den Mitmenschen ist, schlicht: ob wir die Menschen lieben?

Der Hl. Benedikt schreibt in seiner Anweisung für den Cellerar: „Kann er einem Bruder nichts geben, dann gebe er ihm wenigstens eine freundliche Antwort“.

 

c. „Seid untereinander gastfreundlich, ohne Murren“. Dazu muss gar nicht viel gesagt werden. Eine Gemeinde, die nicht gastfreundlich, offen und geschwisterlich ist, besonders auf bedürftige und fremde Menschen hin, ist keine Christengemeinde. Das ist der Maßstab für alle Mitarbeiter, für alle Gruppen, für die Nutzung unserer Räume.

 

Ich habe einen Traum! Was wäre das für ein Programm für St. Dionysius: Die biblische Gastfreundschaft ist unser Maßstab, darum bemühen wir uns als Erstes, als entscheidende Klammer zwischen unseren Gemeinden und Gruppen, zwischen Kirche und unserer Mitwelt. Danach ausgerichtet buchstabieren wir unseren Umgang untereinander und mit anderen, den Geist und das Gepräge unseres Seelsorgeteams und aller Mitarbeiter. Das würde man, das wird man spüren, als entscheidender Baustein einer Kirche der Zukunft.

 

Lieber Herr Trentmann, lieber Herr Seliger, das Schlusswort soll noch einmal der Hl. Benedikt mit seiner Dienstanweisung für Cellerare haben. Folgendermaßen leitet er sie ein: „Zum Cellerar … wählt man einen aus der Gemeinschaft aus, der lebenserfahren ist und einen reifen Charakter hat, der nüchtern und kein großer Esser ist, nicht hochmütig, nicht aufgeregt, nicht grob, nicht umständlich, nicht verschwenderisch, der vielmehr Gott fürchtet. Er soll für die ganze Gemeinde wie ein Vater sein“.

 

Ob so die Beschreibung ihres Traum-Arbeitsplatzes aussieht? So sind sie, Herr Seliger unversehens früh, Vater vieler Kinder geworden. In jedem Fall: Sie gehen spannenden Zeiten entgegen, ob in Herne oder in Iserlohn. Dazu wünschen wir Ihnen von Herzen „Viel Glück und viel Segen“. Amen.