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Ramona schreibt mit den Augen

Mit Blicken oder Blinzeln: So steuert eine schwerkranke Hernerin einen "Kommunikator" - Einmal falsch gespeichert, schon ist die wochenlange Arbeit verloren

Herne, im September 2026. Ramona H. kann ihren Körper kaum noch bewegen. ALS, eine schwere und unheilbare Erkrankung des Nervensystems, hat ihr Schritt für Schritt die Kraft genommen. Das Sprechen fällt ihr schwer, ihre Hände kann sie nicht mehr nutzen. Trotzdem bleibt Ramona nicht stumm. Vom Bett aus steuert sie einen speziellen Sprachcomputer mit den Augen – den Kommunikator. Damit surft sie im Internet, versendet WhatsApp-Nachrichten, postet auf Facebook und Instagram. Und sie schreibt Geschichten aus ihrem Leben.

Seit rund sechs Jahren bedient Ramona die Technik mit ihrem Blick. Von „Tippen" spricht sie nicht, sie steuert. Auf dem Bildschirm erscheint eine Tastatur mit Buchstaben, aber auch ganze Wörter, Satzbausteine, Symbole oder Schaltflächen für Geräte. Ramona verweilt mit den Augen auf einem gewünschten Feld, manchmal blinzelt sie ganz bewusst, bis das Gerät die Information verarbeitet hat.

Jedes Augensignal kostet Konzentration und Zeit. Läuft alles richtig gut - kein Gerätealarm, keine Schmerzen, keine Unterbrechung, dann schafft Ramona einen Text in sieben Tagen. In der Regel aber dauert es bis zu vier Wochen. Nicht selten geht die Arbeit verloren. Ein Speicherfehler, und der Text ist weg. Dann beginnt Ramona von vorn, denn sie lässt sich nicht entmutigen. „Wenn ein Text mal verschwunden ist, fange ich wieder von vorne an", sagt die Kranke, die seit vielen Jahren auf ihrem Weg durch eine Zeitschenkerin des Ambulanten Hospizdienstes begleitet wird.

Eine ihrer schönsten Geschichten heißt „Die Stimme auf dem Steg". Sie erzählt von einem Sommer mit Freunden an einem ländlichen See im Jahr 1973. Ramona will vom Steg einen Kopfsprung ins Wasser wagen. Kurz vor dem Absprung hört sie eine Stimme aus dem Nichts: „Spring nicht!" Sie hält kurz inne und springt mit den Füßen zuerst. Eine Wolke von Blut steigt im Wasser auf, Ramona hat sich schwer am Fuß verletzt, unter der Oberfläche lag eine alte Tür. „Was, wenn die Stimme nicht gewesen wäre?", schreibt Ramona. „Das war mein Schutzengel Nummer 3."

Die gesamte Geschichte lässt sich unter
www.hospizdienst-herne.de/aktuelles nachlesen.

Drei solcher Geschichten hat Ramona bisher verfasst. Karin Leutbecher, Koordinatorin beim Ambulanten Hospizdienst: „Ramona bestätigt uns immer wieder, wie wichtig die Begleitung durch ihre Zeitschenkerin für sie ist. Es entsteht viel Nähe, wenn Menschen sich Zeit füreinander nehmen. Für unsere Begleitungen suchen wir immer neue Ehrenamtliche. Am 24. Oktober startet der nächste Vorbereitungskurs."

Wer das Ehrenamt näher kennenlernen möchte, kann zwei Informationsabende besuchen: am Donnerstag, 24. September 2026, von 18 bis 19.30 Uhr online und am Dienstag, 6. Oktober 2026, von 17 bis 18.30 Uhr im Gemeindezentrum Herz Jesu, Düngelstraße 34, 44623 Herne. Eine Anmeldung ist ab sofort möglich.

Informationen und Anmeldung:
Telefon 02323 988290,
info@hospizdienst-herne.de,
www.hospizdienst-herne.de

Mit der Welt in Kontakt bleiben: Vom Bett aus steuert Ramona H. aus Herne ihren Kommunikator und schreibt gern biografische Geschichten. Speichert sie einmal falsch, ist die Arbeit von Wochen verloren. Foto: Melanie Solbach / Förderverein

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44623 Herne