St. Bonifatius
Pfarrkirche und Gottesdienstzentrum in Herne-Mitte
Kirchorte
St. Bonifatius
Hintergrunde
St. Bonifatius ist nicht einfach nur eine Kirche – sie ist ein echtes Stück Stadtgeschichte mitten in Herne-Mitte. In einer Zeit, als Herne noch ein kleines evangelisches Dorf war, kamen mit dem Aufschwung der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts plötzlich wieder viele katholische Familien in die Gegend. Und die brachten nicht nur ihre Konfession, sondern auch den Wunsch nach einer eigenen geistlichen Heimat mit.
Heute ist St. Bonifatius nicht nur Kirche, sondern auch zusammen mit dem Pfarrzentrum unter der Kirche Begegnungsort. Und weil sie jetzt als Pfarrkirche und liturgischer Mittelpunkt der Pfarrei St. Dionysius dient, bleibt sie ein echtes Wahrzeichen und Symbol für die katholische Rückkehr ins Herz der Stadt.
Historisches
Der Anfang war ganz bodenständig
1858 fand der erste katholische Gottesdienst nach der Reformation statt – nicht etwa in einer Kirche, sondern in einem gemieteten Haus. Schon kurz danach folgten eine kleine Privatschule und eine Notkirche, finanziert durch Spenden.
Offiziell wurde es 1862
Mit der Genehmigung von König Wilhelm I. wurde die Gemeinde zur Missionspfarrei. 1870 kaufte man das Grundstück an der Bahnhofstraße – dort, wo heute die Fußgängerzone ist. 1873 wurde der Grundstein für das erste richtige Kirchengebäude gelegt. Drei Jahre später war es fertiggestellt, und 1886 wurde sie offiziell geweiht. Mit dem Turmbau 1888/89 war das Gebäude komplett – entworfen vom Architekten Gerhard August Fischer, der auch Schloss Burg in Solingen wiederaufgebaut hat. Spannendes Detail: Wegen der Bergsenkungen musste man schon 1890 mit Stahlstreben nachhelfen, um die Kirche zu stabilisieren.
Neustart in den 70ern
In den 1970ern entschloss man sich für etwas radikal Neues: Statt Sanierung wurde ein kompletter Neubau beschlossen – moderner, funktionaler. 1973/74 entstand der heutige Bau nach Plänen des Architekten Theo Schwill.
Die Idee: Eine Kirche mit offenem Forumcharakter. Der Altarbereich ist abgesenkt, die Sitzplätze wie in einem kleinen Amphitheater angeordnet. Keine klassischen Kirchenfenster, kein überladener Prunk – alles bewusst reduziert. Später kamen dann aber Kunstwerke dazu, die die Nüchternheit etwas auflockern.
Highlight ist das Mosaikfries der Benediktinerin Schwester Ehrentrud Trost aus dem Jahr 1978. Es zieht sich durch den Kirchenraum und zeigt eindrucksvoll die Geschichte Gottes mit den Menschen – von Adam & Eva über Jesus bis hin zu Szenen aus dem Leben des heiligen Bonifatius.
Ein Kirchturm mit Ladenzeile
Die alte Kirche wurde abgerissen, der Turm blieb stehen – denkmalgeschützt und heute Teil einer Ladenzeile. Man läuft quasi durch die Geschichte, wenn man von der Bahnhofstraße zur neuen Kirche geht.
Orgel mit Soundgeschichte
Die Orgel ist ebenfalls eine kleine Legende. Nach mehreren Umbauten und Zerstörungen – u. a. durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg – entstand die heutige Orgel 1975. Mit 58 Registern und vier Manualen ist sie ein echtes Powerpaket und wurde auch für Konzerte und Rundfunkaufnahmen genutzt.
Glocken
Ursprünglich hatte die Kirche drei schwere Bronzeglocken – die wurden im Ersten Weltkrieg zu Kanonen. Danach kamen Stahlglocken, die später nach Bönen weitergegeben wurden. Seit 1954 gibt es sechs neue Gussstahlglocken. Jede steht für eine Figur oder Botschaft: Christus, Bonifatius, Maria, Josef, Dionysius und Barbara – letzterer gewidmet den vielen Bergleuten aus Herne.
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